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Journal / Fundstück

Drei Bretter und ein Stab

Der Ulmer Hocker ist Sitz, Beistelltisch, Tragkiste und Regal. Warum uns ein Möbel aus drei Brettern mehr beschäftigt als manches Sofa.

18. September 2026
Team weitergeliebt

Platzhalterfoto: Christos Vittoratos, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

1954 brauchten die Studierenden der neuen Hochschule für Gestaltung in Ulm etwas zum Sitzen. Max Bill und Hans Gugelot zeichneten einen Hocker, den die Schreinerwerkstatt der Schule ohne grossen Aufwand bauen konnte: drei Fichtenbretter, verbunden mit Fingerzinken, und ein Rundstab aus Buche, der das Ganze aussteift.

Ein Möbel, viele Rollen

Auf die Seite gelegt wird der Hocker zum Tablar. Umgedreht zur Kiste, in der man Bücher von einem Zimmer ins andere trägt – der Stab ist der Griff. Gestapelt bildet er ein Regal. Für eine Schule, die «gute Form» lehrte, war das kein Zufall, sondern Programm.

Woran man frühe Stücke erkennt

Frühe Exemplare aus Ulm und aus Werkstätten in der Region sind nie ganz gleich. Die Masse schwanken um ein paar Millimeter, die Zinken sind von Hand gesägt, das Holz ist oft etwas dunkler. Spätere Lizenzausgaben sind präziser – und weniger lebendig.

Unser Exemplar stand vierzig Jahre in einem Grafikatelier in Wiedikon. Die Farbspritzer haben wir gelassen.